Die Kunst des Selbermachens. Eine Einführung.
Warum wir Freiräume brauchen.
Wenn du heute ein Smartphone einschaltest oder eine App öffnest, betrittst du einen Raum, dessen Regeln andere festgelegt haben. Die Oberflächen sind glatt, die Bedienung ist kinderleicht, alles scheint von selbst zu laufen. Das ist bequem, bringt aber eine Gefahr mit sich: Viele dieser Programme sind vor allem darauf ausgerichtet, unsere Zeit zu binden und Daten zu sammeln. Wir werden oft nur als Konsumenten gesehen, die zuschauen sollen – und seltener als Menschen, die selbst etwas gestalten.
Das führt zu einem Verlust, der Erwachsene bei der Arbeit genauso betrifft wie Jugendliche: Wir verlieren das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Das bedeutet: Das tiefe Vertrauen in uns selbst, dass wir durch unser Handeln wirklich etwas in der Welt bewirken können. Wer Technik nur noch so nutzt, wie sie fertig geliefert wird, verliert das Verständnis dafür, wie sie eigentlich funktioniert. Damit sinkt die Fähigkeit, so zu leben, wie man möchte.
Die verschlossene Kiste
Moderne Technik funktioniert oft wie eine verschlossene Kiste (man nennt das auch eine „Blackbox“). Wir sehen zwar das Ergebnis auf dem Bildschirm, aber was im Hintergrund passiert, bleibt unsichtbar. Dass wir nicht hineinsehen können, liegt oft an der Art der Software. Viele bekannte Programme sind „proprietär“ (das bedeutet: im Privatbesitz einer Firma). Nur die Firma selbst weiss, wie das Programm genau arbeitet. Der Quellcode – also der Bauplan der Software – ist ein Firmengeheimnis.
Viele grosse Anbieter bauen ihre Systeme so, dass man sie als Nutzer schwer verlassen kann. Wenn man nicht mehr versteht, wie ein Gerät die eigenen Daten verarbeitet oder warum eine App uns immer wieder ablenkt, steuert uns die Technik mehr, als wir sie.
Freiheit beginnt dort, wo wir diese verschlossene Kiste wieder öffnen. Es geht nicht darum, dass jeder programmieren lernen muss. Es geht um eine innere Haltung:
Die Werkzeuge durchschauen
Es gibt Alternativen zu den Programmen der grossen Firmen: die sogenannte „Open Source“-Software. Das ist Software, deren Bauplan offenliegt. Jeder darf hineinsehen und prüfen, wie sie funktioniert. Wenn du solche offenen Werkzeuge nutzt, ändert sich deine Beziehung zur Technik. Du behältst die Kontrolle darüber, was mit deinen Daten passiert und kannst Funktionen anpassen, weglassen oder hinzufügen.
Vom Zuschauer zum Macher
Die digitale Welt bietet unendliche Möglichkeiten, kreativ zu sein. Doch viele Plattformen sind so inhaltsreich gebaut, dass wir doch wieder beim passiven scrollen bleiben. Andere Tools sind so kompliziert und unzugänglich, das wir schnell wieder aufgeben, eigene Inhalte entwickeln zu wollen. Wenn Du Werkzeuge findest und aneignest, die Dir helfen von einfachen Schritt-Anleitungen und vorgefertigten Vorlagen zum freien Gestalten zu gelangen, holst du dir deine Zufriedenheit zurück und den Stolz, etwas eigenes schaffen zu können.
Die Bedeutung der echten Welt
Das Selbermachen darf nicht am Bildschirm aufhören. Wenn wir nur digital unterwegs sind, verlieren wir manchmal den Bezug zur Wirklichkeit. Das Arbeiten mit den Händen – das Reparieren, Bauen und Gestalten – gibt uns eine ehrliche Rückmeldung. Die echte Welt lässt sich nicht durch einen Filter glätten; sie braucht Geduld und echtes Begreifen. Das gibt uns den nötigen Halt in einer Welt, in der alles mit dem Internet verbunden ist.
Selbermachen als mutiger Schritt
Sich von den grossen Tech-Konzernen zu lösen, ist anfangs anstrengend. Wer unabhängig bleiben will, muss auf Bequemlichkeit verzichten. Doch wer die Werkzeuge seines Alltags selbst versteht, holt sich seine Freiheit zurück.
Das gilt für Jugendliche: Sie durchschauen dann die Tricks, mit denen Plattformen süchtig machen, und verstehen die Absichten dahinter. Es gilt aber auch für Erwachsene im Beruf: Sie können digitale Systeme kritisch hinterfragen. Zum Beispiel, wenn Unternehmen plötzlich Geld für früher kostenlose Funktionen verlangen, Kunden durch Schuldgefühle zu manipulieren versuchen oder Mitarbeitende ständig überwachen.
Es geht darum, kein passiver Nutzer mehr zu sein. Wir wollen die moderne Technik nicht abschaffen. Wir wollen selbst bestimmen, wie wir mit ihr leben. Diesen Freiraum gibt es nicht geschenkt – wir müssen ihn uns durch Verstehen und Selbermachen zurückholen.